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Ertüchtigung für den Krieg
Die Ausbildung ausländischer Militärs bei der Bundeswehr hat eine lange Tradition. Man will darüber Einfluss auf das politische Geschehen im Entsendestaat gewinnen, ihn an Deutschland binden – und Waffen verkaufen. Dass die dann Ausgebildeten in ihrem Militär herausragende Positionen einnehmen, versteht sich. Dass sie, wie etwa in Mali, dann einen Militärputsch durchführen, gehört zu den Begleiterscheinungen. Nicht immer gelingt die „Vermittlung unserer demokratischen Werte“, wie diese Praxis hier gegenüber der Öffentlichkeit propagiert wird.
Mit Beginn des russischen Angriffs hat sich der Westen auf die Seite des angegriffenen Staates gestellt, mit der Perspektive, die Ukraine in die EU und die NATO zu integrieren. Das zentrale Mittel dazu sind die Waffenlieferungen – und die Ausbildung der Soldaten, worüber die Presse aber kaum mal berichtet.
**Wie ist das rechtlich zu bewerten?**
Einem angegriffenen Staat dürfen Waffen zur Verteidigung geliefert werden, so der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages in einem Gutachten vom 16. März 22. (1) Gegen die anfangs gelieferten 5.000 Helme gab es keine Einwände. Das wurde dann ausgeweitet. Heute ist Deutschland der größte Waffenlieferant der Ukraine.
**Aber darf man auch Soldaten ausbilden, ohne damit zur Kriegspartei zu werden?**
Diese, damals noch hypothetische Frage, wurde in dem Gutachten recht eindeutig beantwortet: „Erst wenn neben der Belieferung mit Waffen auch die Einweisung der Konfliktpartei bzw. Ausbildung an solchen Waffen in Rede stünde, würde man den gesicherten Bereich der Nichtkriegführung verlassen.“
Auch wenn die Formulierung zurückhaltend ist, wird doch klar, dass sich damit Deutschland zumindest in eine Grauzone begeben würde. Der damalige Regierungssprecher Steffen Hebestreit sprach dann auch von „einer schwierigen Abwägung“: „Unsere Überzeugung ist, dass auch die Ausbildung von ukrainischen Soldaten in Deutschland weiterhin keinen direkten Kriegseintritt bedeutet.“ (2)
Damit bestätigt er den politischen Willen, die Grauzone auszutesten. Da stellt sich die Frage, ob das Russland ebenso sieht. Das sei „völliger Quatsch, für Putin ist Deutschland längst Kriegspartei“, so der damalige ukrainische Botschafter Andrij Melnik. (5)
Ende April 2022 erklärte dann die Bundesregierung, ukrainische Soldaten ausbilden zu wollen. „Ein Bundestagsmandat gibt es für den Einsatz nicht, da er keinen Einsatz bewaffneter Streitkräfte im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes darstellt“, so der Deutsche Bundeswehrverband. (4)
**Organisation und Ablauf der Ausbildung**
Dass ukrainische Soldaten im Westen ausgebildet werden, ist keine neue Erscheinung: USA, Kanada und Großbritannien führen sie seit September 2022 durch. (SZ, 3.12.22)
Die Europäische Union beschloss am 17. Oktober 2022 die EU-Ausbildungsmission für die Ukraine (EUMAM UA) – und finanziert sie auch. (10) Bis Februar 2026 wurden „mehr als 86.000 ukrainische Soldaten“ mit „Unterstützung von 24 EU-Mitgliedsstaaten sowie einigen nicht EU-Staaten“, wie z. B. Norwegen und Großbritannien, nach Westeuropa entsandt.
Die Koordination in Deutschland erfolgt durch das Special Training Command (ST-C) in Strausberg bei Berlin. Im Ausbildungsstab sind etwa 100 Personen aus 13 Nationen. (7) 1.500 betätigen sich als Ausbildende und Unterstützende, z. B. zum Übersetzen; sie kommen aus 22 Nationen. (7) In einer anderen Quelle ist von elf Nationen die Rede. (10) Bis Februar 2026 wurden in Deutschland mehr als 25.000 ausgebildet; nicht nur in fast 50 Bundeswehr-Standorten, sondern auch in solchen der Alliierten, wie z. B. der USA in Grafenwöhr (Oberpfalz/Bayern).
> _**Die Aus- und Weiterbildung ukrainischer Soldaten soll nicht nur diese befähigen, auch die Bundeswehr möchte von deren Fronterfahrungen profitieren, besonders von dem für sie neuartigen Drohnenkrieg**_
Die Ausbildung erfolgt in verschiedenen Ländern mit jeweils eigenen Schwerpunktsetzungen.
In Großbritannien z. B. läuft vor allem die Grundausbildung, mit Ausbildern aus 14 Nationen, darunter Rumänien und Kanada. (3) Ukrainische Soldaten werden auch in Norwegen, Dänemark, Frankreich, Slowakei, Slowenien, Rumänien, Polen, Spanien (Infanterieakademie Toledo), USA usw. ausgebildet. In Deutschland wird vor allem an bestimmten Waffensystemen geübt. Die Ausbildung dauert normalerweise einen Monat, kann aber auch länger oder kürzer sein. Aber die Ukraine drängt, es soll schneller gehen, so nehmen sie immer mehr einen „Crashkurs-Charakter“ an. Auch die mehrfache Teilnahme bestimmter Soldaten an den Kursen kommt vor. (10)
Die ukrainischen Soldaten, manchmal sind auch „ein paar Frauen“ (7) dabei, reisen über Polen per Flugzeug nach Berlin, Köln, dann per Bus zu den Ausbildungsorten. Man hat Angst, dass sie die Tuberkulose einschleppen, denn „die Ukraine verzeichnete in den letzten Jahren europaweit eine der höchsten Tuberkulose-Inzidenzen“. Deshalb müssen sich alle einer Lungenuntersuchung unterziehen/Röntgen. Sie werden neu eingekleidet, wobei die Bundeswehr-Hoheitszeichen „abgetrennt“ werden. Unterwäsche, Strümpfe und Stiefel dürfen die Soldaten behalten. (9)
Manche ukrainische Soldaten „kommen direkt aus dem Kampfeinsatz“, andere haben „keine oder nur wenig Kampferfahrung“. Es kommt inzwischen immer öfter vor, dass Zugesagte nicht kommen, „weil sie in ihren Einheiten unbedingt gebraucht werden“. (9)
Das bestätigt auch Generalmajor Olaf Rohde, Kommandeur des Ausbildungskommandos des Heeres: „Wir bekommen derzeit (2025) leider sehr viele Absagen von den Ukrainern, was geplante Ausbildungen angeht. Das hat gerade zu Beginn dieses Jahres zugenommen. Für mich zeigt das auch, dass es dort Schwierigkeiten gibt.“ Auf Nachfrage nach den Gründen, laute die Antwort aus der Ukraine: „Wir können die Leute nicht schicken, weil wir sie nicht haben.“
Rohde geht davon aus, „dass die Soldaten, die eigentlich kommen sollten, unmittelbar in den Einsatz geschickt wurden.“ Dies beträfe vor allem die Infanterie. „Patriot-Ausbildung, Kampfpanzer-Ausbildung, Schützenpanzer-Ausbildung … ist davon nicht so stark betroffen.“ (7)
Die USA bilden auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr aus. „Grafenwöhr ist zwar auf deutschem Boden, aber in der Ausbildungshoheit der Amerikaner.“ (7) Sollten diese keine Ukrainer mehr ausbilden, dann könnte die Bundeswehr das übernehmen. Rohde: „Ich denke schon, dass wir noch Kapazitäten haben.“ (7)
Auf die Frage „Könnte die Ausbildung nicht auch in die Ukraine verlegt werden?“, antwortet er: „Das derzeitige Mandat (es gilt bis Ende 2026) besagt ganz klar, es geht um die Ausbildung in Deutschland.“ Aber: „Mir gehen die Gedanken natürlich im Kopf herum.“ (7) Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sie zukünftig in die Ukraine verlegt wird. Die rechtliche Problematik schneidet er in dem Interview nicht an.
Rohde ist der Ansicht, dass die Ausbildung in Deutschland für die ukrainischen Soldaten vorteilhaft ist: Sie können sich „auch mal entspannen und sich erholen. Sie bekommen etwas Warmes zu essen, sie haben eine warme Unterkunft und es geht ihnen hier gut. (…) Wenn wir die Ausbildung in der Ukraine durchführen würden… wäre jeder Ausbildungsort ein potentielles Ziel.“ (7) Die Verlegung der Ausbildung in die Ukraine hatte im Frühjahr 2025 der französische Präsident Macron angeregt, was dann von Litauen unterstützt wurde. Der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson: „Wir schließen diese Möglichkeit nicht aus.“ (6)
Zur Ausbildung in Deutschland, bemerkt Rohde: Die ukrainische Armee habe vielfach noch das „alte sowjetische Führungsdenken“, „da gab es den einen oder anderen Fall, wo ‚die westliche Auftragstaktik‘ schwerer zu vermitteln war.“ (7) Anschließend werden „die Kameraden … als Panzersoldaten oder als Infanteriesoldaten oder Pionier eingesetzt“. (7)
Während Rohde noch von verfügbaren Ausbildungskapazitäten spricht, sieht das bundeswehr-journal schon „Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“. (10) Man könne das nur dann befriedigend durchführen, wenn man „seinen originären Auftrag im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung zeitweise zurückstellt.“ (10) Auch für die Ukraine sei das nicht ohne Risiko, sie müsse „Kräfte aus der überdehnten Front lösen“, damit würden die „Reserven geschwächt“ und „die Reaktionsfähigkeit“ reduziert. (10)
Anfang 2025 bemerkte man vermehrt Drohnen an den Ausbildungsorten. Es war klar: „Da steckt bestimmt wieder Russland dahinter.“ Aber es gab bislang keinen Fall, wo man das nachweisen konnte. Besonders russische Schiffe stehen unter Verdacht, dass von dort aus Drohnen starten. Um das zu überprüfen, kaperte die deutsche Polizei Anfang Mai die seit acht Tagen in der Kieler Bucht liegende HAV Dolphin, „traf auf eine siebenköpfige russische Besatzung – fand aber keine Drohne“. (SZ, 4.7.2026) „Es entpuppten sich Drohnenüberflüge über Militäranlagen oder Flughäfen mitunter nicht als Werk russischer Agenten, sondern unbedarfter Teenager.“ (Spiegel, 8.5.2026) Drohnensichtungen sind „auch eine Methode, unsere Kräfte durch Bürokratie zu binden“, so Rohde, denn jeder Fall muss gemeldet und geklärt werden. (7)
Die Aus- und Weiterbildung ukrainischer Soldaten soll nicht nur diese befähigen, auch die Bundeswehr möchte von deren Fronterfahrungen profitieren, besonders von dem für sie neuartigen Drohnenkrieg. „In vielerlei Hinsicht nutzen die gewonnenen Erkenntnisse der Ukrainer auch der Erhöhung der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“: „Durch intensiven Austausch mit den ukrainischen Kräften konnte inzwischen das Wissen über das taktische Verhalten und Vorgehen russischer Einheiten deutlich erweitert werden.“ (10) Die Notwendigkeit der Ukraine, Hunderttausende von Frauen und Männern aller Altersklassen in kürzester Zeit auszubilden, käme auch Deutschland zugute. „Dieses Wissen kann zukünftig genutzt werden, um auch Reservisten und Heimatschutzkräften in Deutschland bereits erprobte Ausbildungsmodule anzubieten und so den Aufwuchs leistungsfähiger deutscher Heimatschutz- und Feldersatzverbände rasch und qualitativ hochwertig voranzutreiben.“ (10)
Über die Ausbildung von Ukrainern will die Bundeswehr auch erfahren, wie das läuft mit dem Krieg mit Russland, welche Taktiken der Gegner verwendet, und wie man darauf regiert. Das hat man jetzt auch vertraglich festgelegt: Es gibt ein neues Abkommen, „das ukrainische Soldaten als Ausbilder in der Bundeswehr vorsieht, was die direkte Einbindung ukrainischer Kriegserfahrung in die deutsche Ausbildung unterstreicht.“ (11 / Deutscher Bundeswehrverband, 17.2.26)
**Wie bewerten die ukrainischen Soldaten die Ausbildung?**
Ein ukrainischer Ausbilder, der nach Großbritannien zur Fortbildung kam: „Als wir eintrafen, wussten die Briten selbst nicht, was sie mit uns anfangen sollen, weil wir bereits Ausbilder waren.“ Laut Lehrplan dort dauert die Grundausbildung sechs Wochen. In der Ukraine geschieht das „innerhalb weniger Tage“, so ein ukrainischer Soldat: „Wir erklären in den Raucherpausen, wie man sich zum Beispiel vor einer Drohne versteckt oder einen Graben schließt.“ (8)
Die Soldaten werden auch von der Bundeswehr befragt, was sie von der Ausbildung halten. Da kommen durchwegs „euphorische Rückmeldungen“. Aber es gibt auch Kritik: Manchmal wurden sie an Waffen ausgebildet, die sie nicht haben. Sie vermissen die Ausbildung an Drohnen und der Notfallmedizin. Die Errichtung eines Zeltlagers halten sie für unnötig: „Wir verstecken uns gleich in Löchern und bauen nicht erst Zelte ab.“ Die Übung „Rotation im Kampfgebiet“ sei fern der Realität, da es derzeit kaum die Möglichkeit dazu gäbe. Gut seien Übungen im Schießen und „Flucht aus der Gefangenschaft“, z. B. über die Kanalisation. „Aber ich würde nicht sagen, dass alles nützlich war.“ „Es kam uns vor, als würden wir Zeit schinden.“ Andererseits „hatten wir einen Monat Ruhe vom Krieg. Wir waren an einem Ort mit schöner Natur, ohne Fliegeralarm“. (8)
Sie haben den Eindruck, dass man großes Interesse an ihren Erfahrungen habe: „Wir sollten ihnen erzählen, wie es bei uns läuft.“ (8)
Die Soldaten berichten auch davon, dass offensichtlich „auch welche zur Ausbildung geschickt werden, „die wahrscheinlich nur aufgrund familiärer Beziehungen zu höheren Offizieren zum Training ins Ausland gehen durften. Später werden sie im Hinterland eingesetzt.“ (8)
**Ist die Ausbildung im Ausland auch eine Chance zur Flucht?**
Der Widerstand gegen die Zwangsrekrutierungen in der Ukraine ist groß. Dass Zwangsrekrutierte besonders gut kämpfen, ist unwahrscheinlich. Deswegen werden zur Ausbildung in den Westen wohl vor allem Motivierte gesandt; Soldaten, die weitergebildet werden und solche die sich freiwillig für den Dienst gemeldet haben. Man schickt aber wohl auch solche, die man aufgrund von Beziehungen vom direkten Kriegseinsatz fernhalten möchte.
Jede Kaserne wird bewacht. Unbefugte sollen nicht rein, und Soldaten dürfen ohne Erlaubnis nicht raus. Zuständig dafür sind die Wachen und die Militärpolizei, die auch in der Umgebung ausgebüxte Soldaten wieder einsammeln.
Ukrainern bieten sich aber durchaus Gelegenheiten, etwa an freien Tagen oder nach Dienstschluss, beim Einkauf, die Umgebung zu erkunden. Zudem gewährt man ihnen in manchen Fällen auch den Besuch der Familie: „Wenn Partnerinnen und Kinder der Soldaten in Deutschland Zuflucht vor dem Krieg gesucht haben, wird an ausgewählten Tagen die Möglichkeit zum Besuch gegeben.“ (9)
Dass sich Auszubildende unerlaubt von der Truppe entfernen, „das passierte schon mal“, so Rohde. (7) Hinter diesem Terminus verbirgt sich eine minder schwer bewertete Desertion. Sollte der Betreffende wieder auftauchen, wird man ihn wohl nicht bestrafen, aber zum Fronteinsatz verdonnern.
**Ab März 2027 kein Aufenthaltsrecht mehr?**
Angesichts der großen Anzahl ukrainischer Soldaten, die hier ausgebildet werden, gibt es aut „Die Zeit“ vom 20.8.2026 „einige hundert“, die nicht wieder in den Krieg wollen und desertieren. Bislang war es so, dass sie von den Regelungen der EU-Massenzustromrichtlinie profitierten und einen bis März 2027 sicheren Aufenthalt bekamen. Sie konnten hier Unterstützung bekommen, arbeiten und auch eine Berufsausbildung absolvieren.
> _**Der Widerstand gegen die Zwangsrekrutierungen in der Ukraine ist groß. Dass Zwangsrekrutierte besonders gut kämpfen, ist unwahrscheinlich. Deswegen werden zur Ausbildung in den Westen wohl vor allem Motivierte gesandt. Man schickt aber wohl auch solche, die man aufgrund von Beziehungen vom direkten Kriegseinsatz fernhalten möchte**_
Das ist der Bundesregierung schon seit längerem ein Dorn im Auge. Schon 2025 hatte der bayerische Ministerpräsident Söder (CSU) die damals erstmals gewährte Ausreisemöglichkeit für nicht-militärdienstpflichtige Ukrainer im Alter von 18 bis 23 Jahren beklagt: „Es ist keinem geholfen, wenn immer mehr junge Männer aus der Ukraine nach Deutschland kommen, anstatt ihre Heimat zu verteidigen.“ (Zeit, 23.10.25)
Die EU-Aufenthaltsregelungen für aus der Ukraine geflohene Menschen laufen im März 2027 aus. Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) will nun alle „Ukrainer im wehrpflichtigen Alter“ von den Regelungen der EU-Massenzustromrichtline ausschließen. Er hat „Zweifel, dass Ukrainer im wehrpflichtigen Alter darunter zu sehen sind“. (FR, 5.6.26) Zustimmung kommt vom österreichischen Innenminister Gerhard Karner: Er ist „sehr stark dafür, dass man den Automatismus beendet, wenn es um Männer im wehrfähigen Alter geht“. Unterstützung kommt auch vom schwedischen Innenminister Johan Forrsell: „Klar, ist es für uns von entscheidender Bedeutung, den Ukrainern jede Art von Schutz zu gewähren, doch zugleich muss der Krieg geführt werden – und er muss gewonnen werden. Damit dies gelingt, ist es unerlässlich, dass mehr Männer in der Ukraine bleiben und kämpfen.“ (tagesschau.de, 4.6.2026)
Kriegsdienstverweigerer, Militärdienstentzieher und Deserteure verweist Dobrindt aufs Asylverfahren. Dort könnten sie individuell prüfen lassen, ob sie die Bedingungen erfüllen. „Ich glaube, auf den Weg kann man sich begeben.“ (ebd.)
Da dürften aber die Chancen auf einen Schutz sehr gering sein. Lediglich jene, die zusätzlich zu ihrer Kriegsdienstverweigerung, auch in der Öffentlichkeit sich gegen den Krieg und die politischen Verhältnisse in ihrem Land aussprechen, dürften eine gewisse Chance haben.
**Aktueller Nachtrag:**
Deutschland konnte sich in der EU nicht zu 100 Prozent durchsetzen. Die Anwendung der EU-Massenzustromrichtlinie soll aber ab März 2027 für neu ankommende ukrainische Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren nur noch angewandt werden, wenn sie legal ausgereist sind, also den Kriegsdienst beendet haben oder ihn nicht antreten mussten.
Im Vorgriff darauf haben seit Juli 2026 verschiedene deutsche Innenministerien den Ausländerbehörden untersagt, Neuankommenden, also auch den in Deutschland Desertierten, diesen Schutz noch zu gewähren. (12)
Verwendete Quellen:
(1) Wissenschaftliche Dienste – Deutscher Bundestag: Rechtsfragen der militärischen Unterstützung der Ukraine durch NATO-Staaten zwischen Neutralität und Konfliktteilnahme (WD 2 – 3000 -019). 16.3.22
(2) Gutachten: Deutschland könnte durch Ausbildung ukrainischer Soldaten als Kriegspartei eingestuft werden. Deutsche Wirtschaftsnachrichten, 2.5.22
(3) Polen und Großbritannien bilden ukrainische Soldaten an Kampfpanzern aus. Die Presse/Österreich – 15.2.23
(4) Deutscher Bundeswehrverband: EU-Staaten erhöhen Ziel für Ausbildung ukrainischer Soldaten. 1.2.24.
(5) Miriam Montag: Ausbildung ukrainischer Soldaten als Kriegsbeteiligung? Beck-aktuell, 2.5.22
(6) Aurélie Pugnet: EU will bis 2025 zusätzlich 15.000 ukrainische Soldaten ausbilden. Euractiv.com, 30.8.24
(7) T. Wiegold: Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland: Vielleicht demnächst Ersatz für US-Training, Verlegung in die Ukraine kein Thema. (Interview mit Rohde). Augengeradeaus, 3/25
(8) Hanna Sokolova-Stekh: Ukraine: Was bringen den Soldaten Übungen im Ausland? – Deutsche Welle, 5.3.25
(9) RSOM: Der Weg ukrainischer Soldatinnen und Soldaten zur Ausbildung. bundeswehr.de, 6.3.25
(10) In Deutschland wurden bislang rund 21.000 ukrainische Soldaten militärisch ausgebildet. Beitrag von Oberst i.G. Dirk Hamann. Bundeswehr-journal, 21.7.25
(11) Deutschland holt sich Kriegserfahrung direkt aus der Ukraine. Facebook, Faktglaublich – 16.2.26. https://www.facebook.com/faktglaublich/posts/1356872846486288/
(12) Ekaterina Fomina, Maxim Kireev: Er will nicht kämpfen. Die Zeit Nr. 36, 20.8.26
Franz Nadler analysierte im Sommer 2026 in der GWR 510 die Kriegsvorbereitungen in Frankreich.Er hat den Verein Connection 1993 mitbegründet und ist heute sein Vorsitzender. Connection e.V. unterstützt weltweit Männer und Frauen, die nicht in einen Krieg ziehen wollen, die jeglichen Kriegsdienst verweigern oder als Deserteure den Massenmord auf Befehl sabotieren. Kontakt: https://connection-ev.org/
**Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Graswurzelrevolution. Schnupperabos zum Kennenlernen gibt es _hier._**
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