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Erneuerbare überholen weltweit Kohle
Erstmals wurde weltweit in diesem Jahr mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als aus Kohle, berichtet die Zeitschrift Science. Diese Entwicklungen sind vor allem auf die bessere Verfügbarkeit von Solar- und Windenergietechnologien sowie auf günstigere Lithiumbatterien für Elektroautos und die Speicherung von Solarenergie zurückzuführen. China liefert 80 % der weltweit verbauten Solarzellen, 70 % der Windkraftanlagen und 70 % der Lithiumbatterien. Erneuerbare Energien haben sich zu einer Branche entwickelt, die heute mehr als 10 % der chinesischen Wirtschaft ausmacht.
Der Verbrauch fossiler Brennstoffe nimmt zwar weiter zu, jedoch langsamer als der Verbrauch erneuerbarer Energien. Auch wenn das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, wohl nicht mehr erreichbar ist, deutet der bevorstehende Rückgang des Verbrauchs fossiler Brennstoffe darauf hin, dass China, der weltweit größte Kohleverbraucher, kurz vor einem Verbrauchsrückgang steht. Im September erklärte der chinesische Präsident Xi Jinping vor den Vereinten Nationen, sein Land werde seine CO₂-Emissionen innerhalb eines Jahrzehnts um bis zu 10 % senken – nicht durch geringeren Energieverbrauch, sondern durch einen massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie.
Auch die Importe von Solarmodulen in Afrika und Südasien sind sprunghaft angestiegen, da die Menschen in diesen Regionen erkannt haben, dass Solaranlagen auf Hausdächern kostengünstig Lampen, Handys und Ventilatoren mit Strom versorgen können. In Südafrika führten alte und unzuverlässige Kohlekraftwerke zu einer ähnlichen Entwicklung. Äthiopien setzt verstärkt auf Solar- und Windenergie, da befürchtet wird, dass die Wasserkraft, die wichtigste Energiequelle des Landes, aufgrund häufigerer Dürren zurückgehen wird.
In Pakistan beispielsweise verfünffachten sich die Importe chinesischer Solarmodule zwischen 2022 und 2024, da der Ukraine-Krieg die Erdgaspreise und die Stromkosten in die Höhe trieb.
Dieses Versprechen steht im Kontrast zu den düsteren Nachrichten, die im November beim UN-Klimagipfel im brasilianischen Belém deutlich wurden. Die globalen CO₂-Emissionen steigen weiter an, da die Länder die im Pariser Klimaabkommen von 2015 zugesagten Reduzierungen nicht einhalten. Das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen – ohnehin ein ambitioniertes Ziel – scheint nun völlig unerreichbar.
In den USA hat die Regierung von Präsident Donald Trump dem Ausbau von Wind- und Solarenergie den Kampf angesagt, und billige chinesische Solarmodule stoßen auf erhebliche Handelsbarrieren. Der Kohleverbrauch in den USA steigt nach einem langen Rückgang in diesem Jahr wieder an. Am Tag seiner Amtseinführung unterzeichnete Präsident Trump eine Exekutivanordnung zur Ausbeutung der US-amerikanischen Bodenschätze und zur „Förderung der Energieexploration und -produktion auf Land und Gewässern des Bundes“. Gleichzeitig wurden Anreize für die Herstellung und den Kauf von Elektrofahrzeugen zugunsten von Benzinern abgeschafft.
Mit zunehmendem Einsatz künstlicher Intelligenz gewinnen diese Fragen an Bedeutung. Die für KI benötigten Rechenzentren werden enorme Energiemengen benötigen. Die USA setzen massiv auf KI-Technologien. All diese Bemühungen erfordern Investitionen in neue Energiequellen. Die US-Richtlinien zur Energieversorgung von KI setzen jedoch auf fossile Brennstoffe und erwähnen erneuerbare Energien nicht.
Bei all der Euphorie um den Siegeszug der erneuerbaren Energiequellen darf man nicht übersehen, dass hier neue globale Spannungen entstehen. Bei der COP30 in Belém hatten sich Entwicklungsländer und zivilgesellschaftliche Gruppen für eine Formulierung im Abschlussdokument eingesetzt, die festhalten sollte, dass bei Gewinnung der für eine fossilfreie Wirtschaft wichtigen Mineralien die lokale Bevölkerung einbezogen werden sollte, dass auf die Wertschöpfung vor Ort und auf die Einhaltung von Umweltstandards geachtet werden sollte. China und Russland wehrten sich dagegen, und die entsprechenden Passagen wurden zum Ende der Konferenz gestrichen.
Der neue Rüstungsboom verschärft die Konkurrenz um Rohstoffe wie Seltenerdmetalle. China hat jüngst neue Beschränkungen für den Export von zwölf der 17 Seltenerdelemente verhängt, was eine neue Runde im Technologie-Handelskrieg mit den USA auslöst.
Solange die Wirtschaft der meisten Länder auf materielles Wachstum ausgerichtet ist, besteht die reale Gefahr, dass die Zuwächse an erneuerbaren Energien weiterhin nur auf den Verbrauch der fossilen Energieträger oben draufgesetzt werden, ohne zu dem notwendigen Ausstieg aus Fossilen zu führen. Nur wenn der absolute Energieverbrauch langsamer steigt als der Ausbau der Erneuerbaren, können Wind, Sonne & Co ein Sinken der Emissionen bewirken. Doch um bis 2050 netto null zu erreichen und einigermaßen in der Nähe des 1,5°C-Ziels zu bleiben, muss der gesamte Energieverbrauch in den nächsten 25 Jahren absolut sinken, damit ab dann keine fossilen Brennstoffe mehr gebraucht werden.
Quelle: Science, 18. 12. 2025