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Die diesjährigen Gewinner der Piolets d’Or, der Oscars des Bergsteigens, stehen fest. Die Jury kürte vier alpinistische Glanzlichter des Jahres 2025, zwei davon in Pakistan und je eines in Nepal und Peru. Ein „Goldener Eispickel“ ging an den US-Amerikaner Ethan Berman, den australisch-argentinische Kletterer Sebastian Pelletti und den gebürtige Niederländer Maarten van Haeren. Sie hatten erstmals den rund 3000 Meter hohen Südostpfeiler des Ultar Sar gemeistert. Der 7388 Meter hohe Berg gehört zum Batura-Muztagh-Massiv im Nordwesten des Karakorum.
Route von Ethan Berman, Sebastian Pelleti und Maarten van Haeren
Bei der neuen Route handele es sich um eine „schöne und häufig versuchte Linie, die anspruchsvolles Klettern in großer Höhe erfordert“, urteilte die sechsköpfige Jury, zu der auch der Piolet’s-d’Or-Rekordsieger Paul Ramsden gehörte. Der Brite hat die renommierte Trophäe als bislang einziger Kletterer fünfmal gewonnen.
Wie Ramsden bei allen seinen preisgekrönten Touren waren auch Berman, Pelleti und van Haaren am Ultar Sar im Alpinstil unterwegs: ohne Flaschensauerstoff, ohne feste Hochlager, ohne Träger und ohne Fixseile. Für Auf- und Abstieg benötigten sie eine Woche.
## Alpinistischer Coup bei Karakorum-Debüt
James Price (l.) und George Ponsonby (r.) auf dem Gipfel des Aikache Chhok
Ein nun ausgezeichneter Paukenschlag gelang auch zwei jungen Bergsteigern, die bei ihrer ersten Expedition ins Karakorum im Herbst 2025 eigentlich erst einmal Erfahrung sammeln wollten. Doch dann eröffneten der Brite James Price und der Ire George Ponsonby am 6673 Meter hohen Aikache Chhok im Alpinstil gleich eine 3000 Meter hohe schwierige Route: über den noch nie begangenen Nordwestgrat und stiegen dann über die ebenfalls noch jungfräuliche Südwestwand. Zehn Tage waren sie bei teilweise schlechtem Wetter unterwegs.
Das Duo habe an dem abgelegenen Berg in einem wenig bekannten Teil des Karakorum „große Beharrlichkeit“ bewiesen, so die Jury, „auf einer Route mit hohen technischen Schwierigkeiten und nahezu null Chancen auf eine Rettung“.
## Problem Jannu East gelöst
Der höchste der Gipfel, für den in diesem Jahr ein Piolet d’Or verliehen wurde, liegt im Osten Nepals. Den beiden Franzosen Benjamin Vedrines und Nicolas Jean gelang im Herbst 2025 die Erstbesteigung des 7468 Meter hohen Jannu East. Sie erreichten den Gipfel über die Nordwand und den Ostgrat.
Route von Benjamin Vedrines und Nicolas Jean am Jannu East
Die Nordwand des Jannu East galt bis dahin unter den Top-Alpinisten weltweit als eine der größten noch ungelösten Probleme im Himalaya. Mehr als ein Dutzend Expeditionsteams hatten sich in mehr als 30 Jahren die Zähne daran ausgebissen. Vedrines und Jean stiegen – im Alpinstil – in nur vier Tagen auf den Gipfel, einen Tag später waren sie zurück im Basislager.
Die Erstbesteigung „im perfekten Leichtgewichtsstil“ sei ein „hervorragendes Beispiel für die athletischen Leistungen, die moderne Profi-Bergsteiger heute erbringen, und zwar an einem abgelegenen und anspruchsvollen Ort“, urteilte die Jury.
## Abenteuer auf höchstem Niveau
Einen weiteren goldenen Eispickel vergab sie an die drei Spanier Ruben Sanmartin, Bru Busom und Marc Toralles. Dem Trio gelang am 6634 Meter hohen Yerupaya Grande in den peruanischen Anden die erste vollständige Traverse von der Ostseite des Bergs her. Die Spanier kletterten in nur vier Tagen über den Ostpfeiler und den Ostgrat zum Hauptgipfel, stiegen dann zum Südgipfel weiter und über die Südostwand ab.
Bru Busom, Marc Toralles und Ruben Sanmartin (v.l.)
Sanmartin, Busom und Toralles hätten gezeigt, dass „auch außerhalb des Himalaya Abenteuer auf höchstem Niveau weiterhin möglich seien“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Dei Überschreitung habe „ein hohes Maß an Entschlossenheit“ erfordert, „da es auf dem oberen Grat keine realistische Möglichkeit zum Rückzug gab und die Chancen auf eine Rettung von außen im Falle eines Unglücks gering waren“.
## Tiphaine Duperier für Nanga-Parbat-Besteigung gewürdigt
Tiphaine Duperier (l.), Boris Langenstein und David Göttler (r.) auf dem Gipfel des Nanga Parbat
Eine „besondere Erwähnung für Frauen-Bergsteigen“ widmete die Jury der Französin Tiphaine Duperier. Sie hatte im Sommer 2025 mit ihrem Landsmann Boris Langenstein und dem deutschen Bergsteiger David Göttler den 8125 Meter hohen Nanga Parbat bestiegen: über die anspruchsvolle und selten begangene Schell-Route in der Rupalflanke – ohne Flaschensauerstoff, ohne Fixseile, ohne feste Hochlagerkette und ohne Hochträger.
Mit Langenstein war sie über die Rupalseite erstmals mit Skiern abgefahren, Göttler war mit dem Gleitschirm aus 7700 Metern Höhe bis ins Basislager geflogen. Das Projekt des Trios am Nanga Parbat sei „wohl eine der bedeutendsten Besteigungen – und Abstiege des Jahres 2025 gewesen“, befand die Jury.
## Preis für Lebenswerk an Peter Habeler
Die Piolets d’Or werden während einer Veranstaltung vom 21. bis 25. Oktober in Saint-Christophe-en-Oisans und La Berarde in den französischen Alpen überreicht. Der Preis für das Lebenswerk geht an die österreichische Kletterlegende Peter Habeler.
Peter Habeler
Seine größte Coups gelangen dem heute 84-Jährigen gemeinsam mit dem Südtiroler Reinhold Messner. 1975 bestiegen die beiden mit dem Gasherbrum I in Pakistan erstmals einen Achttausender im Alpinstil. 1978 waren Habeler und Messner dann die ersten Menschen, die ohne Flaschensauerstoff den Gipfel des Mount Everest erreichten.