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Nutt Los

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Aggressiver Vertreter der erstmaligen Einführung eines anti-aggressiven, gegen jegliche Form von "Vertretung" gerichteten Systems namens "Demokratie" Derzeit […] 🌉 bridged from ⁂ mastodon.social/@NuttLos, follow @ap.brid.gy to interact

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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 13h
Der Staat als Lösung. Der Staat als Problem (2016) wyriwif.wordpress.com/2016/12/28/is…
wyriwif.wordpress.com
Ich möchte hier darüber sprechen, dass mich ein bestimmter Gedanke, den David Graeber in diesem Interview hier äußert, gerade ziemlich betroffen macht. Ich komme mir von diesem Gedanken „ertappt“ vor. Sie bringt mich zum Zweifeln an einer Annahme, die ich lange hege und die für mich bisher große Bedeutung hat. Verkürzt sagt Graeber: Die Annahme, wir bräuchten das staatliche Gewaltmonopol zu dem Zweck, das Verhältnis zwischen uns soweit zu befrieden, dass wir in Ruhe unseren privaten und beruflichen Geschäften nachgehen können, ist eine Illusion. Eine Illusion, die auf einer Projektion beruht: Wir erleben ein alltägliches Gewaltniveau und eine Gewaltbereitschaft, die gar nicht existieren würden, würden diejenigen Institutionen, mit denen wir uns vor uns zu schützen versuchen, nicht existieren. Also ein klassisches: Die vermeintliche Lösung erzeugt das Problem, von dem es die Lösung zu sein vorgibt. Nun möchte ich ein paar Sätze dazu sagen, warum mich diese Annahme trifft. Ich bin, aus verschiedenen Gründen, so etwas wie ein Teilzeit-Hobbesianer. Nicht nur dass ich Thomas Hobbes für einen der meist unterschätzten Philosophen halte und die theoretische Konsequenz bewundere, mit der er aus dem mechanistischen Atomismus seiner Zeit erhellende Funken für die politische Philosophie schlägt. Man kann auch erkennen, dass Hobbes einer von ganz wenigen Philosophen ist, die mit dem sogenannten „Problem des Thukydides“ auf Augenhöhe operieren. Die sich dem Schrecken der Möglichkeit des vollständigen Zusammenbruchs ganzer Gesellschaften in ihrer Theorie offen gestellt haben. Die also verstanden haben, warum „Philosophie“ überhaupt entstanden ist und was ursprünglich mal die Absichten waren, als man das Handwerk des Theoretikers erfunden hat. Die aus eigenem Erleben das politisch-psychische Trauma kennen, auf das hin sich Philosophie sich erfindet. – Die anderen mir bekannten Philosophen, denen ich dieses tiefere Verständnis vom poetisch-praktischen Sinn von Theorie zubillige, sind: Platon (der Erfinder der Philosophie im eigentlichen Sinn), Augustinus, Hegel, Nietzsche, Arendt, Luhmann und Rorty. Der Rest sind für mich Möchtegern-Philosophen, die das ursprüngliche Problem nicht mal kennen, auf das Philosophie eine Antwort zu sein versucht, die aber dennoch mitzureden versuchen und sich dabei in beliebigen Details verstricken. Das Mitreden jener „Exoteriker“ führt jedes mal zu „produktiven Missverständnissen“, die für mich zwar unglaublich ärgerlich sind, evolutionär gesehen aber höchstwahrscheinlich ziemlich produktiv, da wohl die gesamte Evolution auf Missverständnissen (Kopierfehlern bei der Reproduktion der DNA) beruht. Das für das Verständnis von Philosophie unverzichtbare „Problem des Thukydides“ entspringt einem „historischen Vorfall“: Dem peloponnesischen Krieg, an dem Thukydides auf athenischer Seite nicht nur als einer der vielen Heerführer beteiligt war, sondern das er in einem umfassend überlieferten Geschichtswerk theoretisch aufarbeitet. Dabei kann Thukydides nicht nur als einer der ersten abendländischen Historiker gelten, sondern – viel weniger beachtet – er konstruiert in seinen Beschreibungen zwischen den Zeilen eine philosophische Theorie um jenen historischen Vorfall, eine Antwort auf diese Erschütterung seiner Zeit. Diese Erschütterung war für die damalige griechische Welt in einigen Aspekten durchaus vergleichbar mit der Erschütterung, die der „II. Weltkrieg“ für einige entwickelte Länder im 20. Jahrhundert bedeutete. Seine Dauer (knapp 30 Jahre) und seine zuvor nicht gekannte Brutalität waren für Thukydides‘ Anlass, die im griechischen Denken populäre Frage „nach dem Besten für den Menschen“ denkbar pessimistisch zu beantworten: Er liefert eine Verfallstheorie, derzufolge menschliche Gesellschaft eine nicht aus der Welt zu schaffende, permanente Tendenz zum Niedergang und Selbstzerstörung hat, die nur vorübergehend aufgehalten werden kann, insbesondere durch die zufällige Existenz besonders begabter Individuen, für die in Thukydides‘ Rekonstruktion stellvertretend die Figur des politischen Redners und Heerführers Perikles steht. Um zu Ermessen, wie tief dieser Pessimismus bei Thukydides geht, kann man sich klar machen, dass „Zufall“ im Kontext des griechischen Denken ein Äquivalent für „The devil himself“ ist: Das von mehr als nur einem antik-griechischen Denker als worst case angesetzte Schicksal ist es, dem Zufall ausgesetzt zu sein, in einer „anomischen“ Welt zu leben, in der „einem jedem jedweges zustoßen kann“. Dass Thukydides in einem sehr, sehr frühen Vorausgriff auf Max Webers „Charismatische Führung“ zu verweisen scheint, heißt also nichts anderes, als das wir nach Thukydides Schlussfolgerungen aus seinen Bürgerkriegserlebnissen als Menschen am Arsch sind und immer am Arsch sein werden. Nichts mehr und nichts weniger. Auf dieses Realisieren des menschlichen Gewaltpotentials und den Bedingungen für seine Nicht-Entfaltung gibt es nun mehrere, alternative Antworten, die im Zuge der abendländischen Denkgeschichte versucht wurden und die aus meiner Sicht jede für sich äußerst folgenreich war. Alle diese Philosophien konkurrieren offen mit der Nicht-Lösung des Thukydides und alle sind als alternative Antworten auf das gleichermaßen wahrgenommene, aber jeweils anders rekonstruierte Problem lesbar, wenn nicht zu lesen. Hobbes hatte nachweislich ein lebendiges Interesse an Thukydides. Ein Interesse, dessen eigentlicher Ursprung wohl in den Gewaltexzessen in den englischen Bürgerkriegen des 17. Jahrhunderts liegt, deren Zeitgenosse Hobbes war. Von einem vermeintlich ähnlichen Problem betroffen, entwickelt Hobbes eine eigene Antwort auf die Frage nach dem Guten für den Menschen angesichts Problems offensichtlichen Problems der Gewalt. Diese Antwort des Thomas Hobbes ist: Der moderne Staat mit seinem Versuch der flächendeckenden Durchsetzung eines Gewaltmonopols. Entgegen dem, was man Hobbes zuschreibt, weil man sein bewusst paradoxes „Homo homini deus. Homo homini lupus.“ (De Cive, Widmung) vor dem ersten Teil die Augen verschließend auf den zweiten Teil verkürzt, ist Hobbes unter allen philosophischen „Thukydides-Beantwortern“ derjenige, den man als den größten Optimisten bezeichnen könnte. Wiederum sehr verkürzt kann man sagen: Hobbes hält das Himmelreich für „auf Erden erreichbar“ und zwar durch unser eigenes Bemühen und unter Anwendung was er, im Horizont seiner Zeit, als „Wissenschaft“ versteht. Heutige Manager würden wahrscheinlich sagen: „Erfolg ist machbar“. Hobbes tritt an mit einem „Friede und Wohlstand sind machbar.“ Der Staat ist die logisch-wissenschaftliche Folge einer korrekten Analyse und Rekonstruktion der conditio humana und mit ihr an zentraler Stelle: Des Problems der Gewalt (13. Kapitel des „Leviathan“). Hobbes ist also nicht der anthropologische Pessimist unter den politischen Philosophen, den Schmalspur-Exegeten in der Folge aus ihm gemacht haben und bis heute aus ihm machen. Er könnte weitaus eher als einer der Ahnherren unseres sehr modernen Machbarkeits-Wahns herhalten. An dieser Stelle muss ich zur Nachvollziehbarkeit vielleicht einige Worte zu meinem zufälligen Schicksal einstreuen: Ich wurde in ein zutiefst politisches Elternhaus geboren. Da mein Ziehvater irakischer Kurde war und ich im Unwissen um meinen leiblichen Vater mit einer halbkurdischen Identität in Deutschland in den 1980er Jahren aufwuchs, war es nahezu unmöglich, sich von der Politik und insbesondere von der Weltpolitik unbetroffen zu fühlen. Der damals noch laufende kalte Krieg zwischen „dem Westen“ und der Sowjektunion schlug direkt auf das wechselhafte Schicksal der irakischen Kurden durch, nicht nur, aber vor allem im irakisch-iranischen Stellvertreterkrieg, m.W. dem einzigen Krieg jener Zeit, in dem Nato und Sowjetunion die gleiche Seite mit Waffen belieferten und auch finanziell und logistisch unterstützten (den Irak unter Saddam Hussein). Meines Wissens ging es Kurden in Deutschland zu dieser Zeit nahezu ausnahmslos so wie mir: Die Identität „Kurde“ und ein Desinteresse für Politik waren zu dieser Zeit beinahe unvereinbar. Unser Fernseher lief bei jeder politischen Sendung, zu vielen politischen Standpunkten, die in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert wurden, öffnete „die irako-kurdische Perspektive“ ganz eigene Einsichten, die mit der Mainstream-Diskussion in den Medien großteils inkompatibel waren. Mehr noch: Viele dieser Einsichten waren schlicht nicht anschlussfähig, konnten nicht geäußert werden, ohne Gespräche automatisch zu beenden und Beziehungen zu belasten. Daher schwieg man lieber und redete erst gar nicht mit Menschen, die das ja gar nicht verstehen konnten. Das alte Thema: „Als Gast vermeide die Themen Politik und Religion“. – In meinem Fall war das alles ein bisschen absurd: Ich bin in München geboren, meine Mutter ist Deutsche und mein Studium hat mir eine üble Überdosis an klassischem deutschen Bildungswissen verschafft. Dazu kommt eine persönliche Neigung zu zwanghaftem Ernst- und Wörtlichnehmen, das sich vermutlich in bester lutherisch-preussischer Tradition befindet. Kurzgesagt: Es ist schwierig, sehr viel „deutscher“ zu sein als ich es bin. Dennoch machte mich die persönliche Betroffenheit über meinen kurdischen Vater zu einem mehr als nur halben Gast, der nicht dazugehören konnte, ohne sich diese Zugehörigkeit über ein Schweigen über für ihn wichtige und bewegende Themen zu erkaufen. „Integration“ ist so gesehen ein durchaus interessantes Thema angesichts der vielen kriegerischen Konflikte in der außereuropäischen Welt. Vielleicht könnte man aber auch einmal über „Desintegrationsprozesse“ sprechen, die sich durch mangelndes Interesse und fehlende Verständnisbereitschaft vollziehen, durch fehlende Praktiken des nicht-parteiergreifenden, aber anteilnehmenden Zuhörens. Eines Zuhörens, bei dem man sich in den anderen Menschen und seine Lage in der Welt hineinversetzt, ohne dessen Position deswegen zu übernehmen oder deswegen irgendwelche Handlungen unternehmen zu müssen. Also dasjenige Manko, das die weniger mächtigen schon immer an den mächtigeren Menschen bemerkt und bemängelt haben: Dass sie als Unterlegene sehr wohl in der Lage sind, sich vorzustellen, welche Probleme man hat, wenn man überlegen ist, dass es aber umgekehrt den Mächtigeren an Fantasie und Bereitschaft fehlt, sich an die Stelle des Machtlosen zu versetzen. In einer machtvollen Position hat man schlicht keinen Grund, genauer hinzuschauen und verstehen zu wollen. In einer ohnmächtigen Position bleibt nur die Beobachterrolle und eine hohe Sensibilität gegenüber dem, was im Anderen vor sich geht. Man könnte das auch „soziale Paranoia“ nennen, eine Art Über-Wachsamkeit, die aber in einer Ohnmachts-Position einfach nur logisch und sinnvoll ist. Diese Mechanismen kann man als universelle Struktur beschreiben, wirksam in traditionellen Verhältnissen zwischen Kindern und Eltern, im traditionellen Verhältnissen zwischen Frauen und Männern, zwischen schwarzen Sklaven und weiße Herren, zwischen armen Bediensteten und (Geld-)Adel, zwischen Arbeitern und Managern, genauso im Verhältnis von Unternehmen und ihren Eignern-Investoren… …Auch diese Liste wäre beliebig verlängerbar. Wer in der ohnmächtigeren Position ist, beobachtet sehr genau das Verhalten und die Zustände des Menschen in der korrespondierenden mächtigeren Position – und versucht sie zu deuten. Wir können sagen: Macht macht in sozialer Hinsicht dumm, aber diese ihre Dummheit schadet den Mächtigen nur wenig. Ohnmacht macht in sozialer Hinsicht schlau, aber diese ihre Schlauheit nützt den Ohnmächtigen nur wenig. Ich vermute, dass es vielen anderen Exilanten aus den Kriegsregionen der Welt in ihren jeweiligen Zufluchtsländern heute recht ähnlich ergeht: Es gibt kein Interesse für ihre Sicht der Dinge und noch nicht einmal die Möglichkeit, ansatzweise am lokalen politischen Diskurs sinnvoll teilzunehmen. Nicht aus bösem Willen, sondern aus fehlender Relevanz als politischer Gruppe und aus fehlender Anschlussfähigkeit an die laufende politisch-öffentliche Kommunikation. Um Beispiele zu geben: Zu der Art von politischem Bewusstsein, zu dem man als zufällig irako-kurdisch mitgeprägter Mensch in den 80ern in Deutschland kommen musste, gehörte es, dass man mit den Folterpraktiken in der Türkei, im Irak und im Iran vertraut war, weil man Berichte darüber kannte. Es gehörte auch dazu, dass man irgendwann nicht mehr verwundert darüber war, dass die irakischen Kurden im bewaffneten Widerstand zeitweise, aber nicht immer als „Freiheitskämpfer“ tituliert wurden, während die türkischen Kurden als „Terroristen“ bezeichnet wurden, obwohl sie wenig anders machten als ihre „Brüder und Schwestern“ ein paar Kilometer weiter jenseits der Grenze, die Kurden von Kurden trennte. Oder dass man Kurden, die bei Giftgasangriffen des Baath-Regimes umkamen, intensiv medial betrauert wurden, aber Kurden, die das nicht widerstandslos hinzunehmen bereit waren und auf ihrem Recht auf Selbstverteidigung gegen eine sie massenhaft mordendene Staatsmacht bestanden, tief misstrauisch beäugt wurden (Motto: „Du bist okay, solang Du politisches Opfer (Objekt) bist, aber wehe Du verlässt die Opferrolle und wirst politisches Subjekt“). Oder, dass die Lage im Nahen Osten unter den Vorzeichen „wenn die irrsinnigen Völker im Osten mal wieder aufeinanderschlagen“ diskutiert wurde, aber die Rolle, die europäische Kolonialmächte bei der Erzeugung des Konflikts durch willkürliche Grenzziehung am Reißbrett gespielt hatten, niemals auftauchte. Diese Liste wäre beliebig verlängerbar und war ein Prozess fortgesetzter politischer Desillusionierung und Verzweiflung, was die Normalität globaler Machtpolitik angeht. Einer Politik, die Menschen in aller Welt zwar erleiden, aber nicht im Geringsten mitgestalten können, wenn sie im globalen Interessenpoker kein attraktiver Alliierter/Stützpunkt sein können oder alternativ über Atomwaffen verfügen, die ihnen die Respektierung ihrer Interessen sichern. Diese Desillusionierung über diese Politik fördert einen „Realismus“, der nur schwer nachvollziehbar ist, wenn man die entsprechenden fortgesetzten Prozesse nicht selbst durchlaufen hat. Das war sicher nicht der einzige, aber sicher auch nicht der geringste Grund, warum es mich im Laufe meines Studiums an der LMU München dann irgendwann dauerhaft in die Philosophie verschlug, also einem Fach, das sich immer schon dem Thema „Das Unsagbare sagen“ verschrieben hatte (para-doxa). Bei Hobbes fand ich dann – endlich – eine Artikulation derjenigen Dinge, die für Menschen, die von Kriegen und insbesondere Bürgerkriegen betroffen sind, wie indirekt auch immer, beinahe selbstverständlich sind. Dinge, die Menschen, die in Friedenszeiten leben, kaum nachvollziehen können. Dinge, die auch bei Thukydides zu finden sind. Und Dinge, die dann in den 90er Jahren im jugoslawischen Bürgerkrieg wieder erschreckend sichtbar wurden, „Mitten in Europa, und das heute!“ (Ironie meines persönlichen Schicksals ist es, dass ich kurz nach diesem politischen Geschehen mit der bosno-serbischen Identität meines leiblichen Vaters konfrontiert wurde, während ich weiter meinen zu 2/3 irako-kurdischen Namen zu tragen hatte; eine Namensänderung konnte ich mir damals schlicht nicht leisten und später war sie mir nicht mehr wichtig. Mein „falscher Name“ war Teil meiner Geschichte und Persönlichkeit geworden.) Vielleicht ist es auch nicht ganz unwichtig zu erwähnen, dass ich mir meinen Zugang zu Hobbes wirklich hart erarbeiten musste. Es war für mich keineswegs eine Liebe auf den ersten Blick. Ich habe ihn erst „geistig adoptiert“, nachdem ich ein Jahr Studium fast ausschließlich seinem Leviathan widmete. Ein Jahr, in dem ich immer wieder vergeblich versucht hatte, einen Zugang zu seiner Gedankenwelt zu finden. Wenn man vorher ein paar Semester vorwiegend mit Platon verbracht hat, sieht nämlich nahezu alles, was Hobbes sagt, erstmal wie purer Nonsense aus. Philosophen habe, wenn man sie allzuernst nimmt, die unangenehme Eigenschaft, einem den Zugang zu anderen Philosophen zu vernageln. Aber auch das war mir dann erst nach „meinem Jahr mit Hobbes“ halbwegs klar. Hobbes war also nach diesem Jahr eine große Erleichterung für mich. Rückblickend fühlte es sich für mich an wie ein Jahr gut investierte Lebenszeit. Ich hatte den Eindruck, dass da jemand wirklich verstand und zudem eine Perspektive bot, wie mit dem mein Leben bestimmenden Problem der Gewalt umzugehen sei. Bei Hobbes fand ich die Grundzüge dessen, was man heute „Liberalismus“ nennt (viel mehr als bei John Locke btw.) und was mir in derjenigen Form von Liberalismus, die der amerikanische Philosoph Richard Rorty im 20. Jh. erfand, auch heute noch zutiefst sympathisch ist: Einhegung der immer-möglichen zwischenmenschlichen Gewalt als Daueraufgabe, aber als lösbare Daueraufgabe. Perspektive eines Weltstaates, der nicht auf Willkür gegründet ist, nicht auf Religion, nicht auf ethnischer Zugehörigkeit, sondern der als Ausdruck unseres eigenen Willen, der als gute Selbstsorge verstanden werden muss, als Auflösung des ansonsten unvermeidlich greifenden „Gefangenendilemmas“, das die Menschheit dazu treiben muss, ihre größte Findigkeit und ihre ausdauerndsten Produktivkräfte in die Waffenindustrie zu stecken, weil andere, „gefährliche Wesen“ (i.e.: die lieben Mitmenschen) es sonst vor ihnen tun könnten: Eine sehr treffende Beschreibung des Wettrüstens im Kalten Krieg der Weltmächte findet sich in Hobbes 13. Kapitel des Leviathans. Soweit so erleichternd für mich. Man brauchte also nur abzuwarten, bis sich der Weltstaat irgendwann unweigerlich dialektisch herausbilden würde (eine Prise Hegel schadet nie) und konnte derweil in Ruhe sein Privatleben leben und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. – Kurzgesagt: Ich war und bin vielleicht immer noch der größte lebende Fan des sogenannten „Nachtwächterstaats“, wie die Gegner des Liberalismus es nennen, wenn man die Kernaufgabe des Staates in der Befriedung der zwischen-menschlichen Geschäfte sieht. Hobbes war mir eine große Hilfe, mich nachhaltig zu entpolitisieren. Ein Vorgang, von dem ich auch heute noch sagen würde, dass ich ihn dringend nötig hatte (den Haufen an philosophischen Problemen, die ich für meine politischen Probleme eintauschte, erwähne ich hier mal nicht…). Ich verlor das Interesse an Politik. Ich fand, dass dort nicht mehr die Musik unserer Zeit spielte und dass politisch motivierte Rechtsänderungen sowieso im GrauinGrau jener Dämmerung vorgenommen werden, von dem Hegel in seiner Rechtsphilosophie spricht, also nachträglich, wenn die spielbestimmenden Bands ihre Instrumente längst schon abgebaut haben und ihren spätabendlichen Vergnügungen nachgehen. Ich wurde dabei nicht nur zu einem Fan des liberalen Nachtwächterstaats, sondern insbesondere auch zu einem Fan des politischen Systems des wiedervereinigten Gesamtdeutschlands. Weniger also einer bestimmten Partei, sondern mehr des Spiels zwischen jenen Parteien. Dieses Spiel erschien mir gut ausgewogen und – durch eine hobbesianische Brille betrachtet – hochgradig effektiv und funktional: Immerhin lebten und leben wir in einer der gewaltreduziertesten Gesellschaften nicht nur des Planeten, sondern wahrscheinlich der Weltgeschichte. Man sperrte die Egomanen der Gesellschaft in einen gemeinsamen Käfig namens „die Politik“ und ließ sie sich dort öffentlichkeitswirksam gegenseitig in Schach halten. Viel bewirken konnten sie da nicht. Aber viel anrichten konnten sie da auch nicht. Ich lebte im politisch desinteressierten Hochgefühl eines „Hobbes hatte Recht und ich weiß warum und kann fühlen inwiefern“. Und nun also David Graeber, dieser vermaledeite Anarchist, dieser Mitbegründer von Occupy Wallstreet, dieser Erfinder des Terminus „bullshit jobs“ und dieser verdammt kluge Historiker des modernen Bürokratismus. Im oben verlinkten Interview mit dem SRF (mit einem bemerkenswert aggressiven Interview-Führer), bezweifelt Graeber die Hobbesianische, bezweifelt er auch meine Grundannahme vom Befriedungsbedarf durch den modernen Staat, ohne den wir uns allesamt erst bis an die Zähne bewaffnen und dann unweigerlich gegenseitig massakrieren würden. Ohne den unser Leben „nasty, brutish and short“ wäre. Das, so kann ich sagen, finde ich gerade ziemlich spannend. Mit Graebers Gedanken werde ich meine eigene kleine, persönliche Geschichte vielleicht neu schreiben müssen. Möglicherweise darf ich also auf meine nicht mehr ganz so jungen Tage verstärkt „anarchistische (Herrschaft-weglassende) Praktiken“ üben. In einer Welt voller Gewalt sind persönliche wie gemeinschaftliche Versuche von Gewaltlosigkeit mit die sinnvollsten Aktivitäten, die ich mir vorstellen kann: Die Gewalt, die man vorfindet, nicht weiterzugeben. In der Familie, im Umgang mit Behörden und den Menschen, die sie vertreten müssen, im Umgang miteinander im Unternehmen, im Umgang miteinander in der Öffentlichkeit, schriftlich wie mündlich. „An-Arché“ darf der trotz erworbenem Graecum im Altgriechischen Dilettierende vielleicht mit „Keine Ursache! – Gern geschehen!“ übersetzen. – Und damit auch jegliche Möglichkeit von Schuldzuschreibungen dekonstruieren. Wo wir nicht mehr in „Ursachen“ denken, wo sich kein Anfang und kein Ende findet, wo wir die wechselseitigen Abhängigkeiten unseres Verhaltens systematisch anerkennen, ist die Frage nicht mehr, wer Schuld ist, sondern was wir jetzt gemeinsam tun können. Und wenn es dabei um „Politik“ geht, wird die Frage immer sein: Welche Institutionen uns mehr und welche Institutionen uns weniger dabei helfen, allseits befriedigende Beziehungen miteinander zu pflegen. Like Wird geladen … ### _Ähnliche Beiträge_
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 13h
Nihilistische Unternehmen (2017) wyriwif.wordpress.com/2017/01/14/de…
wyriwif.wordpress.com
Unsere Rede von Unternehmen ist mit einer philosophischen Brille betrachtet meist offen nihilistisch. Das gilt selbst noch für hochintelligente und innovative Konzeptionalisierungen von Unternehmen und Unternehmertum, wie z.B. den Ted Talk von Martin Reeves über die bionischen Inspirationen, die Unternehmen aus dem Aufbau und der Funktionsweise von biologischen Immunsystemen ziehen können. Was an solcher Rede nihilistisch ist, lässt sich leicht am derzeitigen Modebegriff der „Disruption“ erläutern. Reeves‘ Vortrag mündet u.a. in die Empfehlung, von einem mechanischen zu einem biologischen Paradigma des Denkens von Unternehmen zu wechseln und aus diesem Paradigma heraus die Kontinuität des Unternehmens in der Selbst-Disruption der eigenen, gut laufenden Geschäftsmodelle denken zu können. Bei jemandem, der sich ausführlich an der Philosophie Nietzsche gerieben hat, weil das aus guten Gründen zum Bildungsprogramm seines schrulligen Philosophielehrers gehörte, schrillen bei solchen Empfehlungen die Alarmglocken. Denn der Grund, den uns Reeves gibt, unser Denken umzustellen, ist: Das nackte Überleben des Unternehmens, bzw. die Steigerung der Chancen, dass das Unternehmen ein paar Jährchen länger überlebt. „Conservatio sui“ – Die Selbsterhaltung als letzter Handlungsgrund ist aber exakt das, was Nietzsche in seinen Schriften als die entblößte, nicht mehr kaschierte Gestalt des Nihilismus gekennzeichnet hat. Man mag es mit Nietzsches Denken halten wie man will, die Problematik der Selbsterhaltung als letztem Handlungsgrund führt auch in anderem Denkrahmen dazu, dass sie unseren mentalen Fokus ohne Umschweife aus einer Welt der Fülle in eine Welt des Mangels teleportiert: „In der Wirtschaft“ geht es dann automatisch ab sofort und ausschließlich um einen „Kampf ums Überleben“. Und es wird ebenso automatisch beinahe unmöglich, anderes auch nur denken zu können, weil der Fokus „Überleben“ auf uns als Menschen eine starke hypnotische Wirkung hat, bestimmte unserer Hirnautomatismen nachhaltig triggert und uns selbst ebenso nachhaltig in unseren Möglichkeiten reduziert. ## Sinnvolle Operationalisierung von „Disruption“ Im Empfinden eines Denkens im Beziehungsparadigma, das durch die Unterscheidung Bedürfnis/Strategie (M.Rosenberg) angereichert ist, wird dabei noch einmal deutlich mehr spürbar: Nicht nur der Nihilismus, die völlige Sinnleere eines Denkens in Überlebenskategorien – Warum soll es überhaupt erstrebenswert sein, dass ein Unternehmen ein paar Jahre länger besteht? -, sondern auch eine Überwindungsform dieses Nihilismus, die mit Nietzscheanischen Ansätzen nichts gemein hat. Diese Überwindungsmöglichkeit lässt sich gut am Begriff der „Disruption“ fest machen und an einer naheliegenden, jedoch bisher selten gewählten Alternative, die diesen Begriff voll integriert, die jedoch nicht durch einen Fokus auf „Überleben“ bzw. „Verlängerung des Überlebens“ in Gang gehalten wird. – Disruption lässt sich leicht anders denken und ist dann zugleich keine gar so große Sensation mehr, als die sie in den derzeitigen Diskussionen über den Wandel des Unternehmertums erscheint. Sie wird zu etwas ganz natürlichem, leichten, undramatischen, das sich nebenher vollzieht, während wir auf ganz anderes fokussiert sind als auf unsere Angst, andere könnten unser Geschäftsmodell zerstören, wenn wir es nicht vorzeitig selbst tun. In einem Unternehmen, in dem sich die Mitunternehmer wechselseitig in die Lage versetzen, sowohl bestimmte Kundenbedürfnisse („Bedürfnisse“ im Rosenberg-Sinn) zu ihrem Handlungsfokus zu machen und zugleich mit ihren eigenen Bedürfnissen gut verbunden zu bleiben, wird „Disruption“ zu keinem sonderlich schmerzhaften Geschehen, ganz einfach deswegen, weil „das Unternehmen“ dann nicht in bestimmten Strategien (aka: „Geschäftsmodellen“) besteht, sondern in dem **gemeinsamen Willen, ganz bestimmte Bedürfnisse der Menschheit durch gemeinsame, koordinierte Tätigkeit so gut wie nur irgendmöglich zu befriedigen.** Selbstoptimierung der eigenen Geschäftsmodelle hat hier einen positiven Fokus in menschlicher Verbundenheit, nicht einen negativen Fokus im Angst vor dem „vorzeitigen“ Tod des Unternehmens. – Bösartig könnte man auch sagen, dass ein Unternehmen, dessen einziges Ziel (intern) das nackte Überleben des Unternehmens ist, in seinen Mitunternehmern in der Regel tiefe Seufzer der Erleichterung auslöst, wenn es dann endlich den Tod durch Insolvenz erleidet. Die Insolvenz wird von den Mitunternehmern dann oft als Erlösung von außen erlebt. Ironischerweise ist also Überleben des Unternehmens gerade in Unternehmen, die sich auf Überleben des Unternehmens fokussieren, für die an ihnen unmittelbar beteiligten Menschen gerade überhaupt kein erstrebenswertes Ziel, sondern ein Übel. ## Spillover Effekt von externem Nihilismus hinein ins Unternehmen Den Hintergrund des Umstands, warum diese Form des „Unternehmens“ derzeit so hohe Verbreitung hat, möchte ich hier für den Moment in seiner eigenen Komplexität und Auflösbarkeit ausklammern. Für hier daher nur soviel zu diesem eigenen Thema: Dieser Hintergund besteht im Kern aus dem dem Unternehmen (externen) Ziel, aus dem Geld von Investoren und Eignern „mehr Geld“ zu machen, also aus einem ebenfalls sinnentleerten, unverbunden Selbstzweck, der den internen sinnentleerten Zweck des „Überlebens“ zwingend nach sich zieht. Der externe Nihilismus, von dem Unternehmen heute in großer Zahl betroffen sind, hat in der Regel einen ungebrochenen internen Nihilismus zur Folge. Brüche dieser Übersetzung von äußerem Nihilismus in internen Nihilismus sind äußerst selten und den „heroischen“ Aktivitäten einzelner Geschäftsführer und Mitunternehmer zuzurechnen, die nie lange Bestand haben können und als strukturelle Ausnahmeerscheinungen gelten müssen. Solche Formen sind kurz gesagt instabil. Können wir den externen Nihilismus nicht zugunsten verbundenerer, nicht-entfremdeter und nicht-entfremender Formen des Investierens auflösen, so werden wir immer nur vereinzelte Inseln echten Unternehmertums erleben, die dadurch zustande kommen, dass einzelne Menschen in Unternehmen übermenschliches auf sich nehmen – und dabei regelmäßig zugrunde gehen. Märtyrer-Gestalten des modernen Wirtschaftslebens sozusagen. – Und wie wir z.B. mit Hegel denken können, sind Situationen, in denen heroisches Märtyrertum notwendig ist, um Formen des Guten aufrechtzuerhalten, immer ein absolut zuverlässiges Zeichen struktureller Ausfallerscheinungen. ## Disruptive & resiliente Unternehmen verstehen sich selbst nicht in erster Linie als disruptive & resiliente Unternehmen Unternehmen, die im Beziehungsparadigma operieren und in denen sich die an ihnen beteiligten Menschen als Teil eines ganz bestimmten Beziehungsgeflechts sehen können, das sie zugleich selbst durch ihre Aktivitäten aufrecht erhalten, sind ganz von allein „disruptiv“ (in der externen, nachträglichen Analyse), ohne dass ihre interne Kommunikation von Kategorien wie „Disruption“ geprägt wäre; und damit auch nicht in den Kategorien von „Kampf ums Überleben“, „Ausbeutung von Märkten“, „die Konkurrenz aus dem Feld schlagen“, etc. Unternehmen, die im Beziehungsparadigma operieren und genaus aus diesem Grund auch die Hände von Kategorien wie „Disruption“ lassen können, sind diejenigen, die nicht nur Chancen haben, länger zu bestehen (das haben die angstgetriebenen auch), sondern dabei auch als bejahenswert, lebenswert und bestehenswert empfunden zu werden. Ex post können Unternehmenstheoretiker wie Martin Reeves dann auch in solchen Unternehmen „Resilienz gegen Disruption“ diagnostizieren. Das sind jedoch keine Denkmodelle, die solche Unternehmen in ihrem Alltag benutzen. Also Unternehmen, die nicht nur langlebig sind, sondern die auch vor erfülltem menschlichen Leben strotzen. Das ist nicht, wie solche Unternehmen selbst über sich und das, was sie tun, sprechen. Sie sprechen viel eher davon, wie gut sie mit ihren Kunden und Dienstleistern, untereinander und auch mit ihren Eignern und Investoren verbunden sind, wie sie die Beziehungen untereinander gestalten, wie sie auch in kritischen Situationen die sachliche Auseinandersetzung wagen können, und ähnliches, weiteres. Kurz: Sie beschreiben sich selbst in Beziehungskategorien, nicht in Kategorien des Überlebenskampfes. Genau das könnte einigen Unternehmens-Theoretikern durchaus zu denken geben, wenn sie nicht gar so hypnotisiert wären von ihrem eigenen Ego und ihrer kindlichen, verantwortungslosen Freude an ihren überaus smarten Entdeckungen, mit denen sie dann ihre kommunikative Umwelt verpesten und dazu beitragen, das Beziehungsgeschehen in Unternehmen so nachhaltig übel zu gestalten, wie nur irgend menschenmöglich… Aus Gründen, bei denen wir uns an unsere eigene Nase fassen dürfen, haben wir Unternehmen geschaffen und halten wir Unternehmen am „Leben“, in denen das **menschliche** Leben „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“ ist. – Wir haben ohne Not den Hobbes’schen Naturzustand hinein in unsere heutigen Unternehmen übertragen. ## Das Beziehungsparadigma des Unternehmens: All that is needed Ich persönlich traue dem Beziehungsparadigma zu, diese Selbsthypnose durch defizitäres Denken zu überwinden. Weil es bereits Unternehmen gibt, die sich dabei beobachten lassen, wie sie sich selbst im Beziehungsparadigma beschreiben, und man auch die wünschenswerten Folgen solcher Selbstbeschreibungen wahrnehmen kann. Auf dem Stand heutiger psychologischer Erkenntnisse können wir mit recht großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass es für uns als Menschen kein Entkommen aus „hypnotischen Prozessen“ gibt. Wir können aber positive hypnotische Prozesse, die ihre eigenen Brechungen selbst vorbereiten, so dass konzeptionelle Umbrüche von uns als undramatisch emfpunden zu werden, von jenen negativen hypnotischen Prozessen unterscheiden, mit denen wir uns das Leben miteinander zur gemeinsamen Hölle machen und Drama auf Drama folgt, und in denen Nihilismus aus Nihilismus folgt. Unternehmertum hat das Potential, alles andere als nihilistisch zu sein. Unternehmen ist eine zutiefst positive, erfüllende Tätigkeit, in der wir uns gemeinsam auf andere Menschen beziehen und anderen Menschen etwas von unserem Besten zu geben vermögen. Aber wenn wir dieses Potential in unserer heutigen Wirklichkeit realisieren wollen, wenn wir das hier und heute „am eigenen Leib“ erleben wollen, sollten wir etwas umsichtiger damit sein, wie wir unsere Unternehmungen beschreiben, welche Kategorien wir dabei verwenden und was die Verwendung bestimmter Kategorien ganz unmittelbar mit uns selbst macht. Dieses Wahrnehmen „was unser Sprechen / Denken“ mit uns selbst macht, bedarf entweder der guten alten Praxis der achtsamen Introspektion („nosce te ipsum“), oder weniger aufgeblasen: Wir könnten uns immer wieder Zeit für uns selbst nehmen, um zu fühlen anstatt nur zu denken, wie es uns geht. Und worum es uns geht. Oder es braucht qualifiziertes, emotionales, unmittelbares Feedback unserer Mitmenschen. Also eine Praxis, in der wir uns gerade nicht wechselseitig in Ruhe lassen, sondern in der wir uns gegenseitig darauf aufmerksam machen, wenn wir uns mal wieder verloren haben, wenn wir gerade die Verbindung zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zum Beziehungsgeschehen auf diesem Planeten verloren haben. – Weil wir uns in den Kategorien unseres exorbitanten Werkzeugs namens Gehirn verlaufen haben. Der Prozess der theoretischen Neugierde hat sicher seine eigene Berechtigung. Mir als leidenschaftlichem Theoretiker liegt es fern, mir zu wünschen, wir mögen unsere theoretischen Experimente beenden. Ohne Rückbindung ans Menschlich-Allzumenschliche führt Theorie aber ganz unweigerlich zu einem sehr praktischen, handfesten, spürbaren Nihilismus. Ich gehe davon aus, dass wir alle diesen Nihilismus in unseren heutigen Unternehmen, in unserem Alltag sehr unmittelbar spüren können. Als Menschen brauchen wir nicht nur Verbindlichkeiten, sondern Verbindungen untereinander, die wir als erfüllend, befruchtend und sinnhaft erleben können. Wir sind zutiefst soziale Wesen. Und Unternehmen sind zutiefst soziale Institutionen. Zu unserem eigenen Nachteil verstehen wir sie derzeit aber nur höchst oberflächlich als solche: Alles „Soziale“ ist ihnen äußerlich aufgepropft, nebensächlich, „cheap talking“, das erste, was zeitliche wie finanziell unberücksichtigt gelassen wird, wenn es um die vermeintlich wirklich wichtigen Dinge in Unternehmen (= „ums Überleben“) geht. Es ist daher eine gute Zeit, Unternehmen neu zu denken. Von einem konsequenten Beziehungsparadigma aus. Like Wird geladen … ### _Ähnliche Beiträge_
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 22h
Die meisten Menschen vertrauen nur ihrer Wir-Gruppe. Alle anderen werden misstrauisch beäugt. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Wir-Gruppe der meisten Menschen heute aus genau einem Menschen besteht: Aus ihnen selbst.
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Fake it, until you make it: "Was würde ich jetzt im Moment tun, wenn ich mich selbst lieben und wertschätzen würde?" (Eine dieser "Wunderfragen", Klassiker)
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Noch kürzer: Der Mensch und die Gesellschaft passen einfach nicht zusammen.
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Ich denke, wir unterschätzen unser Bedürfnis nach dem "Einfach nur Guten". Bzw. Wir unterschätzen die Gleichzeitigkeit dieses "unsterblichen menschlichen Bedürfnisses" & das Ausmaß seiner Unerfüllbarkeit unter den Bedingungen eine komplexen, differenzierten, dynamischen Großgesellschaft, in […]
mastodon.social
Original post on mastodon.social
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Der Wohnungs-/Hausmarkt erholt sich. - "Verkaufen Sie jetzt schnell, solange sie noch irgendwas dafür kriegen!" 😉 www.zeit.de/2026/45/immobilienmarkt… #SilverTsunami
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
These: Elon Musk als Südafrikaner passt deswegen so gut in die USA, weil er einfach ein Held des Eigenmarketings ist. Und da ist er im Land des beständigen genialisch-dreisten Eigenmarketings einfach am besten aufgehoben. It's a natural match!
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Die Welt ist jetzt von den USA sehr sehr enttäuscht. Einige erst seit gestern. Einige schon seit Jahren und Jahrzehnten. Einige schon immer. Unsere "Haltung zu den USA" und ihren großspurigen Versprechungen aka ihrem genialen Eigenmarketing unterscheidet sich nur in ihrem zeitlichen Verlauf […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
"Ich will nicht Deine Worte. Ich will Deine Empathie! Und Worte haben mit Empathie nichts zu tun!" "Aber das Internet besteht doch hauptsächlich aus Text! Aus Worten!" "Eben." (Das Internet immer so)
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Friedrich Merz und seine Millionärs-Kumpel in der Politik wollen einfach sehr viel mehr Millionen von uns diese Erfahrung ermöglichen. So sprechen Millionen zu Millionen. Millionen von Geld zu Millionen von Menschen. Man muss das richtig verstehen. 🤷🏽 […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 18/10/2026
Johannes Winkel, Cheffe der "Jungen" Union, sieht irgendwie auch schon erstaunlich alt aus. Wie so ein jahrhundertealter 🧛🏽‍♂️, mit unterlaufenen Augenringen, "edler Blässe", usw. Sein Engagement (sprich: "Angaschmang") hat erkennbare, sichtbare Spuren hinterlassen. Diese Leute opfern sich […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
"Wir" sind Fußballweltmeister. Also unsere Ü-80. www.spiegel.de/sport/fussball/fussb…
spiegel.de
Deutsche Ü80-Senioren gewinnen Fußball-Weltmeisterschaft
Dieses Team war einfach reif für den Titel: Die deutsche Ü80-Nationalmannschaft hat sich in Australien den WM-Pokal gesichert. Auch ein kollektiver Sonnenbrand trübte die Freude nicht.
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
...Politik über Parteien zu organisieren zeugt von einem Unverständnis nicht nur hinsichtlich "Was Politik ist", sondern auch hinsichtlich der Dynamiken und Mechaniken von Gesellschaft, sowie hinsichtlich menschlicher Gruppenpsychologie. Niemand, der Ahnung von Menschen und ihrem Miteinander […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
...Positiv gesprochen: Politik ist Zivilisation und Zivilisation ist Politik. (civis = polites) Ständiger Parteikampf ist barbarisch, unzivilisiert. Existiert besändiger Parteikampf in der Politischen Gemeinschaft, besteht die Politische Gemeinschaft strenggenommen nicht. Die Polis löst sich […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
...Lagerförmiger Kampf zwischen Menschen ist weitaus weniger harmlos als die Neuzeit denkt, die der Ansicht ist, dies ließe sich "ritualisieren" oder "zivilisieren". In Wirklichkeit ist das nicht möglich. Krieg in der Polis ist immer unzivilisiert und vor-zivilisatorisch. Der Krieg (Ares) […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
...zu zwei verschiedenen Welten führt, zu zwei verschiedenen Nomois. Die einzige Verbindung, die diese beiden Hälften der Gesellschaft dann noch haben, ist ihr Kampf gegeneinander, der Verletzungszusammenhang, der aber jeweils völlig verschieden erlebt wird. Wechselseitige Dehumanisierung ist […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
Sind lange zwei Lager in einer Politischen Gemeinschaft vorhanden, die sich im Ringen um die Macht wechselseitig beharken, entsteht mit der Zeit eine Dynamik. Ein TEIL (!) dieser Dynamik ist immer, dass eigene Verletzungen stärker empfunden werden als die Verletzungen, die man der Gegenpartei […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
Die Demokratie richtet sich systematisch gegen ZWEI Systemzustände gleichzeitig: a) Tyrannei (eine Adelspartei hat sich gegen alle anderen durchgesetzt & tyrannisiert jetzt alle anderen) b) Stasis = Ständige Parteikämpfe, die wie ein Strudel alle Bürger in sich hineinsaugen, bis niemand mehr […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 17/10/2026
Parteikämpfe be like "Der Freundlichere verliert." Wenn man also eine systematische Abwärtsspirale in Sachen Freundlichkeit will, institutionalisiert man Parteien / Parteikämpfe. Parteien erfüllen EINEN Zweck: Die sytemische Herstellung einer unfreundlicheren Gesellschaft, in der alle […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 16/10/2026
Wir sind eine quirlige Spezies, die gar nicht so leicht zu kontrollieren ist, wie manche glauben. Alle Tyrannen wissen das.
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 16/10/2026
Wie "wirtschaftsnah" ist der sogenannte "Neoliberalismus"? - Ich habe Zweifel.
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 16/10/2026
Die "politischen" Auseinandersetzungen in einer etablierten Aristokratie wie der unseren dürfen alle möglichen Formen annehmen: Ost gegen West Alt gegen Jung Mann Gegen Frau etc. Eine Form dürfen sie jedoch niemals annehmen Arm gegen Reich Das würde das aristokratische System sprengen […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 16/10/2026
So wie sich das hier liest, ist Friedrich Merz von einem Eintritt in die überaus erfolgreiche FDP nur noch einen winzigen Schritt entfernt. www.zeit.de/politik/2026-10/stefan-…
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 16/10/2026
Wieso "Energiekrieg", wenn uns doch von Linken beständiger Energieüberfluss versprochen wurde? So in der Art: "Die Sonne scheint immer. Der Wind weht überall". Das macht alles überhaupt keinen Sinn, zusammen […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 16/10/2026
Die privilegierte, hochwohlgeborene und hochvermögende Linke hat nicht erst eben gerade entdeckt, dass sie Migranten systematisch ausbeutet. Neu entdeckt hat sie, dass sie dazu offen stehen kann & muss, wenn sie nicht die Macht an die Rechte verlieren will. Ich werte dieses Format daher als […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 14/10/2026
Die CDU, die sich jahrzehntelang selber als "die Kraft der Vernunft" verstanden hat (crazy, ich weiß), erfährt gerade an sich selber, dass "die Kräfte der Vernunft" weniger wirkmächtig sind, als fast alle - nicht nur die CDU - beständig annehmen. Wer auf "Vernunft" vertraut, vertraut auf einen […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
Wie oft sollen wir noch hoffen, dass nach der nächsten Wahl alles viel besser wird? Oder überhaupt irgendetwas besser wird? #DeshalbLosdemokratie
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
Wenige machen Politik, aber alle sind ihren Folgen ausgesetzt. #DeshalbLosdemokratie
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
Politik ist unmenschlich. #DeshalbLosdemokratie
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
Mehr und mehr Politiker geben auf und verzweifeln am System. #DeshalbLosdemokratie
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
Die "Solon-Position". Die erwartet bald viele Politikys... "Im Bundesministerium für Arbeit & Soziales hatte Bas eine unmögliche Aufgabe zugeteilt bekommen. Sie sollte gleichzeitig die Linken in ihrer Partei repräsentieren (was natürlicherweise zu andauernden Feindseligkeiten von Konservativen […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
"Alles ist auf eine Art und Weise so widersprüchlich, dass daraus eine neue Ordnung entsteht: kooperatistische Demokratie quer über Parteigrenzen hinweg. [...] Der Kern dieses Wegs der Politik des Zuhörens ist die Einbeziehung der Bürger in Verantwortungs- und Selbstverantwortungsprozesse. Man […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 12/10/2026
Erst persönliche Betroffenheit oder persönlicher Kontakt weckt wirkliches Verständnis. Problem: Wir sind von höchst Unterschiedlichem auf höchst unterschiedliche Weise betroffen. Dass wir so wenig Verständnis füreinander haben, ist also kein Ausreißer, sondern "normal" bzw. "erwartbar". Es […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 11/10/2026
Die Dinge, die sind, einfach benennen, ist oft das Bestürzendste, Schönste und Schrecklichste, das möglich ist. Das heißt nicht, "dass die Wahrheit sich von allein durchsetzt" oder "siegen wird" (was auch immer das heißen soll). Es heißt nur, dass die Wahrheit bei uns Menschen oft starke […]
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Nutt Los @nuttlos.mastodon.social.ap.brid.gy · 11/10/2026
Die gefährlichste Sache der Welt (2017) wyriwif.wordpress.com/2017/05/06/di…
wyriwif.wordpress.com
Nur in einer sehr äußerlichen Sicht, in einem Bewusstsein, das die Rednerin Vera F. Birkenbihl als „exoterisch“ zu bezeichnen pflegte, sind ABC-Waffen oder andere menschliche Artefakte die gefährlichste Sache der Welt. In einer Wahrnehmung, die uns als weitaus verbundener mit und eingebetteter in unsere Umwelt empfindet, können wir sagen, dass **das menschliche Nervensystem** jene „gefährlichste Sache der Welt“ ist. – Wenn wir denn hier von einer „Sache“ sprechen wollen. Und das gilt um so mehr, als es sich dabei – in einer weiteren Hinsicht – gar nicht um eine lose Ansammlung sich chaotisch verhaltender Nervensysteme handelt, sondern um ein einziges Netz, das wir gemeinsam um die Welt spannen. (- Oft wohl mehr „spinnen“ als „spannen“; denn unsere Entspannung ist ein ganz eigenes Thema…) Ich möchte also behaupten, dass es kein völliger Unsinn ist, wenn wir annehmen, dass alle menschlichen Nervensysteme zusammen ein einziges menschliches Nervensystem bilden, das die Welt umspannt und das wir manchmal „die Gesellschaft“ nennen. Das menschliche Nervensystem ist so empfänglich und empfindlich für das, was es von „anderen“ menschlichen Nervensystemen wahrnimmt, das wir die Dinge (also uns selbst) so betrachten können, das die Körpergrenzen, die von unserer Haut gebildet werden, eben nicht die „wahren Grenzen“ der in ihnen enthaltenen Nervenzellen und Nervenbahnen bilden. Vielmehr sind die Nerven „des einzelnen Menschen“ auf so vielfältige, intensive und unausweichliche Weise mit den Nervenbahnen aller anderen menschlichen Nervenzellen verkoppelt, dass wir, um diese Kopplung aufzuheben, wirklich jene einsamen Inseln und Eremitagen aufsuchen müssten, die es heute nicht mehr gibt. Wer also die äußerliche Sichtweise vom „entkoppelt-autarken-souveränen Einzelmenschen“ aufrecht erhalten möchte, hat heute nur noch eine Wahl: Er muss sich buchstäblich ins All schießen. – Eine Fantasie, die denn auch in zahlreichen Science-Fiction-Filmen ihre vielfältige Bebilderung gefunden hat. Nirgendwo ist das fundamental Soziale, wenn nicht Politische des Menschen so unmittelbar spürbar wie in solchen Filmen. Die wahren Folgen einer solchen konsequenten Vereinzelung sind allerdings nach meiner Auffassung nirgendwo klarer und weniger beschönigend beschrieben als in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“. * * * Warum soll nun aber jenes Sozialorgan, das wir „das menschliche Nervensystem“ nennen, die gefährlichste Sache der Welt sein? Mit ihm ist etwas entstanden, das so vielfältige Verwendung finden kann, dass wir gelegentlich von „Freiheit“ sprechen. Und nur selten ist uns dabei gleichzeitig deutlich, was die Freiheit, die uns unser Nervensystem gibt, für eine schreckliche Sache ist. Technischer könnten wir von einer radikalen Unterdeterminierung oder potentiell unendlichen Überdeterminierung sprechen. Oder nüchterner davon, dass es per se völlig unklar ist, was mit einem „menschlichen Nervensystem“ eigentlich anzufangen sei. Es gibt für dieses „Ding“ keine Teleologie. Bei aller sonstigen Klarheit, die uns der Urheber des Worts vom „Zoon politikon“ sonst verschaffen mag, in diesem Punkt lässt uns Aristoteles grob im Stich oder schickt uns auf zahlreiche Irrfahrten. Man könnte geradezu pathetisch werden und sagen: „Der Sinn des menschlichen Lebens besteht darin herauszufinden, was mit einem menschlichen Nervensystem alles anzufangen sei, angefangen werden kann“. Oder, nur einen kleinen Emotionsgrad nüchterner: Ein guter Fokus „für den Menschen“ ist die beständige Frage danach, wie das weltumspannende Organ „menschliches Nervensystem“ in einer friedlichen Weise, die auf allgemeines menschliches Wohlergehen gerichtet ist, gerade in dieser, ganz gegenwärtigen Situation genutzt werden kann. So gesprochen erscheint dann die exoterische Weltsicht, die uns als von der Welt getrennte beschreibt, eine operative Größe im menschlichen Nervensystem selbst: Um handlungsfähig zu sein, müssen wir Dinge auf „Dich und mich“ zuschreiben und uns beide als von „der Welt“ Abgetrennte sehen. Damit ist dann schlicht und einfach beschrieben, wie das menschliche Nervensystem arbeitet: Es unterscheidet „Ich und Du und die Sache“. Sehr selten bringt es sich selbst auch zu einem „Wir“. Und noch seltener generiert unser Nervensystem dieses „Wir“, ohne dabei auf ein „Wir und die Anderen“ Bezug zu nehmen. „Wir“ heißt dann: Nicht-Ich-Allein. Gemeinschaft als Negation des Alleinseins. Unmöglich ist die Bildung eines Wir ohne Konstruktion von Feindbildern also nicht. Einigen von uns gelingt es eben nur sehr gut, diese andere Wir-Möglichkeit im eigenen Horizont nicht auftauchen zu lassen („vor sich selbst zu verbergen“). Vermutlich sind das Menschen, die sich gerade sehr einsam fühlen. Das meinen dann wohl auch die Vielen, die ich für meinen Teil so schwer verstehen kann. Diejenigen, die sagen: „Denken hilft“. Möglicherweise sagen sie damit nichts anderes als: „Du bist Teil jenes weltumspannenden menschlichen Nervensystems namens Gesellschaft. Nimm Dir die Zeit zu entscheiden, wie Du diese Teilhabe nutzen willst. Es ist möglich, das menschliche Nervensystem dazu zu benutzen, Dir selbst **und zugleich** auch anderen Menschen Gutes zu tun. Du bist vielleicht nicht so frei, wie eine vollendete (und damit auch vollendet sinnlose) Vereinzelung es ermöglichen würde. Aber Du bist frei, Deine „Anschlüsse“, Deine „Angeschlossenheit“, Deine Verbundenheit dazu zu nutzen, um sehr wirkungsvoll Einfluss zu nehmen.“ Einfluss auf jenes Netz, von dem wir selbst ein Teil sind. Und von dem wir durchgängig beeinflusst sind. Selbst in der denkbar größten Abkopplung von ihm ist das menschliche Nervensystem beständig unser Bezugspunkt. So macht nicht nur seine Unter- und Überdeterminiertheit das menschliche Nervensystem zur „gefährlichsten Sache der Welt“. Sondern noch vielmehr der Umstand, dass wir die Möglichkeit nicht haben, keinen Einfluss zu nehmen. Dies scheint mir zumindest weitaus schrecklicher als jener gleichzeitige Gedanke, dass wir die Möglichkeit nicht haben, uns beständiger gesellschaftlicher Beeinflussung zu entziehen – Und dabei menschlich zu bleiben. Like Wird geladen … ### _Ähnliche Beiträge_
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